Hitze und Wohnungslüftung
Wie Lüftungsanlagen bei Sommerhitze, Luftfeuchte und Nachtkühlung sinnvoll unterstützen können.
Was leistet eine Lüftungsanlage?
Eine kontrollierte Wohnungslüftung ist ein Be- und Entlüftungssystem, das für einen hygienischen Luftwechsel im Gebäude sorgt. Je nach Anlage wird der Luftaustausch zum Beispiel über die Raumluftfeuchte, den CO₂-Gehalt oder feste Volumenströme gesteuert. Ziel ist es, verbrauchte Luft, Feuchtigkeit und Schadstoffe zuverlässig abzuführen und frische Außenluft kontrolliert in die Wohnräume einzubringen.
Die Luftmengen einer Wohnungslüftung sind dabei in der Regel bewusst niedrig ausgelegt. In einem Einfamilienhaus liegen sie häufig bei etwa 80 bis 160 m³/h, in größeren Häusern auch bei bis zu 400 m³/h. Das entspricht meist einem Luftwechsel von etwa 0,25 bis 0,6 pro Stunde – also nur einem Teil des gesamten Gebäudevolumens.
Diese Werte zeigen bereits: Eine Lüftungsanlage ist nicht in erster Linie ein Kühlsystem. Um ein Gebäude bei Hitze wirksam zu kühlen, müsste nicht nur die Raumluft, sondern auch die gespeicherte Wärme in Wänden, Decken, Böden und Möbeln abgeführt werden. Diese Bauteile besitzen eine hohe thermische Masse und speichern Wärme über viele Stunden. Dennoch kann eine Lüftungsanlage bei richtiger Einstellung einen wichtigen Beitrag leisten, um Hitze, Luftfeuchte und Raumklima positiv zu beeinflussen.
Was kann eine Lüftungsanlage bei Hitze verbessern?
Auch wenn eine Wohnungslüftung keine Klimaanlage ersetzt, kann sie im Sommer sinnvoll genutzt werden. Besonders bei Hitze, hoher Luftfeuchte und warmen Nächten kommt es auf die richtige Lüftungsstrategie an.
Eine moderne Lüftungsanlage kann helfen, den Luftwechsel gezielt zu steuern, warme Außenluft tagsüber zu reduzieren und kühlere Nachtluft für eine Nachtkühlung zu nutzen. Zusätzlich kann ein Enthalpiewärmetauscher dazu beitragen, die eingetragene Luftfeuchte zu verringern und das Raumklima angenehmer zu halten.
Wichtig ist dabei: Lüftung und Hitze müssen immer zusammen betrachtet werden. Entscheidend ist nicht nur die Temperatur der Außenluft, sondern auch deren Feuchtegehalt. Besonders schwülwarme Außenluft kann das Raumklima deutlich belasten.
Querlüftung über die Lüftungsanlage
Eine zentrale Lüftungsanlage kann unter bestimmten Voraussetzungen auch zur unterstützenden Querlüftung genutzt werden. Dabei wird die Luftströmung gezielt verändert, um kühlere Außenluft in das Gebäude einzubringen oder warme Raumluft verstärkt abzuführen.
Grundsätzlich sind zwei Varianten möglich:
Diese Funktionen sollten vor allem in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden genutzt werden – also dann, wenn die Außentemperatur niedriger ist als die Innenraumtemperatur. Häufig ist dies zwischen etwa 02:00 Uhr und 07:00 Uhr der Fall.
Noch präziser funktioniert diese Strategie mit einem Temperatursensor oder einer Regelung, die die Differenz zwischen Innen- und Außentemperatur erfasst. So kann die Lüftungsanlage automatisch dann für Nachtkühlung sorgen, wenn die Außenluft tatsächlich kühler ist als die Raumluft.
Feuchterückgewinnung im Sommer
Ein feuchterückgewinnender Enthalpietauscher bietet nicht nur im Winter Vorteile. Auch im Sommer kann er einen wichtigen Beitrag zum Raumklima leisten.
Während ein sensibler Wärmetauscher im Wesentlichen Wärme überträgt, kann ein Enthalpiewärmetauscher zusätzlich Feuchtigkeit übertragen beziehungsweise zurückhalten. Bei heißer und feuchter Außenluft kann dies besonders vorteilhaft sein: Die eingebrachte Zuluft wird nicht nur temperiert, sondern auch hinsichtlich der Luftfeuchte verbessert.
Das ist vor allem bei schwülwarmer Sommerluft relevant. Hohe Luftfeuchte erschwert die Wärmeabgabe des Körpers und wird deshalb häufig als besonders unangenehm empfunden. Eine Lüftungsanlage mit Enthalpiewärmetauscher kann dazu beitragen, dass weniger Feuchtigkeit in das Gebäude gelangt und die Innenraumluft angenehmer bleibt.
So funktionieren die Hitzestrategien im Detail
Maximale Zuluft für die Querlüftung
Bei dieser Strategie werden die Abluftventilatoren ausgeschaltet, während die Zuluftventilatoren auf maximaler Leistungsstufe betrieben werden. Gleichzeitig werden Fenster in den Ablufträumen, zum Beispiel Bad, WC, Küche oder Hauswirtschaftsraum, gekippt. Die zugeführte Luft strömt dadurch durch das Gebäude und kann über die geöffneten Fenster wieder entweichen.
So entsteht eine unterstützende Querlüftung. Der Vorteil dieser Variante ist, dass die einströmende Außenluft weiterhin über die Filter der Lüftungsanlage geführt wird. Das ist besonders bei Pollenflug, Feinstaub oder für Allergiker ein wichtiger Punkt. Ein möglicher Nachteil sind höhere Strömungsgeräusche an den Zuluftelementen, da die Luftmenge deutlich erhöht wird.
Maximale Abluft für die Querlüftung
Bei der zweiten Variante werden die Zuluftventilatoren ausgeschaltet, während die Abluftventilatoren auf maximaler Leistungsstufe betrieben werden. Die Luft strömt dann über geöffnete oder gekippte Fenster in den Wohnräumen nach und wird über die Ablufträume abgesaugt.
Der Vorteil dieser Strategie liegt darin, dass an den Zuluftelementen keine zusätzlichen Strömungsgeräusche entstehen. Allerdings gelangt die Außenluft ungefiltert über die Fenster in das Gebäude. Das kann bei hoher Pollenbelastung, Feinstaub, Insekten, Straßenlärm oder für Allergiker nachteilig sein.
So funktioniert der Enthalpiewärmetauscher im Sommer
Bei Außenlufttemperaturen von 35 bis 40 °C und hoher relativer Luftfeuchte möchte man möglichst vermeiden, dass zusätzlich Wärme und Feuchtigkeit in das Gebäude eingetragen werden. Genau hier kann ein Enthalpiewärmetauscher seine Vorteile ausspielen.
Für einen CORE-Enthalpietauscher wurden beispielhaft Werte berechnet. Die Ergebnisse zeigen ein deutlich positives Bild: Zwar ist es grundsätzlich unerwünscht, Luft einzublasen, die wärmer ist als die Innenraumluft. Gleichzeitig ist jedoch die Luftfeuchtigkeit der eingeblasenen Luft mit 39 % deutlich niedriger als die Raumluftfeuchte von 50 %. Im Vergleich zu einem sensiblen Wärmetauscher ergibt sich dadurch ein erheblicher energetischer Vorteil.
Bei einer Luftmenge von 150 m³/h können in diesem Beispiel bis zu 3.880 W an Gesamtenergie eingespart werden, die sonst in Form von Wärme und Feuchtigkeit in das Gebäude eingetragen würde. Das zeigt: Bei Lüftung und Hitze geht es nicht allein um Temperatur, sondern immer auch um Luftfeuchte und Enthalpie, also den gesamten Energieinhalt der Luft.
Anbei die Daten zu einem CORE-Wärmetauscher mit den Abmessungen 366 x 366 x 420, einer Innenraumtemperatur von 26 °C und einer Raumluftfeuchte von 50 %. Außen wurden 38 °C im Schatten angenommen, vorausgesetzt die Lüftung saugt die Außenluft im Schatten an, sowie 80 % Luftfeuchte.
Berechnung Tag
Zusätzlich wurden die Werte für einen typischen Nachtfall berechnet. In der Nacht sind die Temperaturdifferenzen naturgemäß geringer. Dennoch zeigt sich auch hier ein Vorteil des Enthalpietauschers: In diesem Beispiel werden immer noch 319 W eingespart. Gleichzeitig wird die Luft mit einer um 15 % niedrigeren relativen Luftfeuchte eingeblasen.
Gerade bei der Nachtkühlung ist dies wichtig. Denn kühlere Außenluft ist nicht automatisch trockene Außenluft. In vielen Sommernächten ist die relative Luftfeuchte hoch. Ein Enthalpietauscher kann daher helfen, die Vorteile der kühleren Nachtluft zu nutzen, ohne unnötig viel Feuchtigkeit in die Innenräume einzutragen.
Berechnung Nacht
Unsere Empfehlungen bei Sommerhitze
Die beste Lüftungsstrategie bei Sommerhitze besteht aus mehreren Bausteinen. Eine kontrollierte Wohnungslüftung kann das Raumklima verbessern, sollte aber immer zusammen mit bewährten Maßnahmen gegen Hitze betrachtet werden.
Dazu gehören:
Eine Lüftungsanlage kann also nicht die vollständige Kühlung eines Gebäudes übernehmen. Sie kann jedoch helfen, Hitze, Luftfeuchte und Luftqualität besser zu kontrollieren.
Die beste Lüftungsstrategie am Tag
Tagsüber sollte der Luftvolumenstrom möglichst reduziert werden, besonders wenn die Außenluft deutlich wärmer ist als die Raumluft. Je nach Anlage und Nutzung kann es sinnvoll sein, den Volumenstrom auf Minimum zu stellen oder die Anlage zeitweise zu reduzieren.
Nach dem Duschen am Morgen sollte die entstehende Feuchtigkeit möglichst gezielt und kurzfristig über das Fenster abgeführt werden, damit keine zusätzliche Feuchtebelastung über längere Zeit im Gebäude bleibt.
Ein Enthalpietauscher ist im Sommer eine besonders sinnvolle Lösung, weil er den Eintrag von Wärme und Luftfeuchte reduzieren kann. In dem berechneten Beispiel sorgt er dafür, dass bis zu 3,9 kW Energie nicht in das Haus gelangen – und das pro Stunde. Gerade bei Hitze, hoher Luftfeuchte und schwüler Außenluft kann dies einen spürbaren Unterschied für das Raumklima machen.
Die beste Strategie in der Nacht
In der Nacht kann die Lüftungsanlage gezielt zur Nachtkühlung eingesetzt werden, wenn die Außentemperatur niedriger ist als die Innenraumtemperatur. Besonders wirksam ist die Kombination aus Enthalpietauscher, Bypass-Funktion und einer temperatur- oder zeitabhängigen Querlüftung.
Wer die technischen Möglichkeiten hat, sollte in den kühleren Nachtstunden den Volumenstrom erhöhen und eine Querlüftung über maximale Zuluft oder maximale Abluft nutzen. Dadurch kann kühlere Außenluft durch das Gebäude geführt und gespeicherte Wärme teilweise abgeführt werden.
Der beste Kühleffekt entsteht dann, wenn die Lüftung automatisch oder manuell genau in dem Zeitraum betrieben wird, in dem die Außenluft kühler ist als die Innenraumluft. Häufig ist dies in den frühen Morgenstunden der Fall. So kann die Wohnungslüftung bei Hitze sinnvoll unterstützen, ohne den Energieverbrauch unnötig zu erhöhen.
Filter regelmäßig wechseln
Ein sauberer Filter unterstützt den Luftstrom, schützt die Lüftungsanlage und hilft dabei, die Luftqualität auch im Sommer zuverlässig zu erhalten.
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